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Ansprache für Hildegard Sczuka

von Pfarrer Jens Burgschweiger,
Ev.-luth. St. Martinigemeinde Im Grünen Winkel


Lieber Herr Werner Schuka,
lieber Herr Heinz Schuka,
liebe Angehörige, liebe Trauergemeinde!


„In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen“ (Johannes 14, 2) sagt Jesus, als seine Jünger von ihm Abschied nehmen müssen. Und dieses Wort paßt - finde ich - wunderbar zu Hildegard Sczuka.

Ihr Leben kommt mir vor wie ein Haus mit vielen Räumen - mit großen Sälen und kleinen verschwiegenen Zimmern. Räumen, in denen sie gearbeitet hat und tätig war und anderen, wo sie mit ihrem Schöpfer allein war, im Schweren, im Geheimnis ihres Lebens.

„In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen“ - wer von Hildegard Szuka spricht, muß von ihrer Heimat sprechen.

Ostpreußen - Bogumillen - Brödau - Kreis Johannisburg. Hildegard Sczuka trug ihre Heimat auf der Zunge - das Masurische, die masurische Sprache. Sie, lieber Herr Schuka haben mir erzählt, wenn Ihre Mutter einmal etwas besprach, was Sie nicht hören sollten, dann sprach sie masurisch. Vor allem mit Heinz, dem einen der drei Brüder ihrer Mutter - Alfred, Reinhold und Heinz - ja, lieber Heinz Sczuka das ist etwas, was Sie innig verbunden hat mit ihrer Schwester, - die ostpreußische Heimat, die Sprache...

Wie viele Bilder und Erinnerungen...

... der elterliche Hof mit 280 Morgen ein großer Hof - 300 Jahre im Familienbesitz - die Mutter, die schon früh an Rheuma erkrankte - mit 16 mußte Hildegard die Pflege der Mutter übernehmen, den Hof führen mit dem Vater, als Sie mit den beiden Brüdern eingezogen wurden. 1941 starb die Mutter - und dann kam die Flucht - Ereignisse, die Hildegard Sczuka ihr Leben lang verfolgten bis in die Träume hinein.

Sie, lieber Herr Werner Schuka, haben im Rahmen Ihrer Familienforschung in langen, intensiven Gesprächen einen Zugang gefunden zu diesem Lebensabschnitt ihrer Mutter - es war für Ihre Mutter sehr erleichternd, sich das einmal von der Seele sprechen zu können, sich Ihnen anzuvertrauen.

Ein schwerer Weg war es, den Hildegard Sczuka gegangen ist - ein Hin-und-wieder-Zurück, in ständiger Angst, Not und Entbehrung - ich denke, nur wer selbst die Heimat verloren hat, kann nachempfinden, was es bedeutet, alles zurückzulassen, irgendwann vor dem niedergebrannten Wohnhaus zu stehen - mit dem Vater stand Hildegard Sczuka vor den Resten ihres Hauses, ihrer Kindheit und Jugend - und dann wieder fort zu müssen...

1945 starb der Vater an Typhus in Johannisburg - die Flucht ging weiter.

Ein neues Zuhause fand Hildegard Sczuka nach einem kurzen Zwischenaufenthalt in Dieringhausen bei Köln in Minden - eine 2-Zimmer-Wohnung in der Minderheide.

„Es ist das Verdienst meines Bruders Heinz“ - so hat Hildegard Sczuka einmal gesagt - „daß ich die Nachkriegszeit so gut überstanden habe.“

So viele Bilder, so viele Erinnerungen...

Das Leben von Hildegard Sczuka war von Arbeit geprägt - in der Landwirtschaft, dann als Haushaltshilfe, später in der Industrie. Es war nicht leicht, in dieser Zeit als allein erziehende Mutter.

Wenn Sie, lieber Werner Schuka, an ihre Mutter denken, dann sind es, denke ich, vor allem die kleinen Dinge, die in Ihrer Erinnerung wohnen: Oft haben Sie die Strenge Ihrer Mutter gespürt, die nach außen hin viel geschluckt hat - was blieb ihr auch anderes übrig - aber Ihnen gegenüber eine harte erzieherische Linie verfolgt hat - vielleicht auch, weil sie die väterliche Rolle mit übernehmen mußte. Bleibend aber sicher auch die Erinnerung an all die Zeichen ihrer mütterlichen Fürsorge, die Kostbarkeit ihres Herzens, die Zeichen der Liebe und Zärtlichkeit ...

Gemeinsame Ausflüge - ein Foto 1950: „Mein Sohn und ich auf der Mindener Messe“. Sie waren damals 3 Jahre alt, und ihre Mutter hält sie beschützend im Arm ...

Und dann die Eisenbahn in der Wohnung in der Paulinenstraße, wo auch mal der Blitz einschlug... die gute Küche ihrer Mutter...

Mütter und Söhne, das ist ja eine ganz besondere Beziehung. Wie nahe sind sie sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten  gekommen - als Ihre Mutter in Ihrer Firma im Rentenalter noch eine Beschäftigung fand und dann erzählt hat für die Familienforschung - von der Heimat...

Ich denke, Sie werden Ihre Mutter noch oft vermissen, aber viel öfter noch werden Sie merken, wie Sie Ihrer Mutter in manchem ähnlich sind, wie Ihre Mutter auch in Ihnen weiter lebt, in Ihrem Herzen eine Heimat hat.

Wir alle brauchen ja eine Heimat - einen Ort, wo wir ganz zuhause sein können, wo wir das Gefühl haben, aufgehoben zu sein, geborgen - so wie wir sind. Wie oft werden die Gedanken von Hildegard Sczuka in ihre Heimat zurückgegangen sein - „die schönste Zeit meines Lebens“, so hat sie mir einmal gesagt - „war meine Kindheit.“

„In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen...“ Ich glaube - nun hat sie wieder eine Heimat. Im Herzen Gottes, in ihrem himmlischen Vaterhaus. Unser Leben hier ist ja nur ein Teil - Teil einer Reise, einer viel größeren Reise, die vom Himmel kommt und zum Himmel führt. So gelangt unsere Sehnsucht nach Heimat am Ende zu einem Ziel: Hildegard Sczuka hat jetzt wieder eine Heimat - im Herzen Gottes, in der größeren Welt.

Was bleibt ist das Vertrauen, daß Hildegard Sczuka gut aufgehoben ist. Was bleibt ist unsere Dankbarkeit. Und die Zeichen der Liebe, die uns miteinander verbinden wie eine leuchtende Brücke...

Nicht trostlos sind wir,
daß wir sie verloren haben,
sondern wir sind dankbar,
daß wir sie gehabt haben,
vielmehr sie noch haben,
denn Gott, dem Herrn, lebt es.
Und was ihm zurückgegeben wird,
bleibt den Seinen erhalten.
Sie schauen sein Antlitz,
für sie gibt es keine Nacht mehr,
denn Gott der Herr ist ihr Licht.

Amen.

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Stand: 21. Januar 2017