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Wappenst. Slepowron

 
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Anmerkungen zur Arbeitshypothese der Familienforschung Sczuka
von Wolfgang Brozio
(erstellt im Jahre 2005)

Hallo Herr Schuka,

Folgend beziehe mich ausschließlich auf die Darstellung Ihrer Arbeitshypothese auf Ihrer Homepage und kommentiere/ergänze diese. Die übrigen Inhalte und geschichtlichen Darstellungen auf Ihrer Genealogie-Seite sowie der Seite der Kreisgemeinschaft Johannisburg lasse ich unberücksichtigt/unkommentiert.

Ich habe keinen Anlass, an einer böhmischen Herkunft des Wappens Grabie zu zweifeln. Böhmen kamen in sehr großer Zahl als Söldner mit dem böhmischen König, dem Przemysliden Ottokar II., nach Preußen, der in dem "Kreuzzug" 1254/1255 die überwiegende Zahl der Ritter stellte. (Die beeindruckenden Untersuchungen von Werner Paravicini: "Preußenreisen", setzen leider erst später ein). Der Deutsche Orden stand über seine böhmische Ballei in Kontakt mit Ottokar II. und konnte diesen zur Teilnahme an jenem Kriegszug bewegen. Nach der Überlieferung - es wäre in den einschlägigen Urkundenbüchern und Archiven zu verifizieren - haben sich wohl vor diesem Hintergrund Böhmen im Großraum Kulm, Thorn, Dobriner Land niedergelassen bzw. sind diese dort belehnt worden - möglicherweise auch der Ahnherr/die Ahnherren der masowisch-preußischen Szczuka.

Das von Ihnen angeführte Dorf Szczuka (poln. Szczuka = Hecht), 1325 im Preußischen Urkundenbuch ersterwähnt, 1414 unter der deutschen Bezeichnung "Hecht" erscheinend (Porebska et al.: Slownik historyczno-geograficzny ziemi chelminskiej w sredniowieczu. Wroclaw etc. 1971), liegt nicht unmittelbar am Wasser, so dass es denkbar ist, dass der Siedlungsplatz bereits nach einem Szczuka benannt worden ist und nicht umgekehrt. Sie sollten prüfen, ob es im Mittelalter eine böhmische Sippe mit dem Beinamen Szczuka oder Hecht, idealer weise des Wappens Grabie gab, deren Mitglieder für die Teilnahme an einem Feldzug in Frage kamen. Eine zweite Zuwanderung aus Böhmen in den Großraum Westpreußen (Kulmer und Dobriner Land), im Wesentlichen Kujawien und Großpolen, erfolgte als Auswirkung der Hussiten-Kriege in Böhmen in den 1430er Jahren. In dem Büchlein von Josef Macek: Husité na Baltu a ve Velkopolsku (Hussiten im Baltikum und Großpolen). Praha 1952) ist eine Verbreitungskarte hussitischer Siedlungen - wenn ich das richtig verstehe - , auf der auch ein Dorf/Gut/Ort Grabie südöstlich Bromberg/Bydgoszcz westlich der Weichsel genannt ist, enthalten. Im Kapitel "Hussiten in Kujawien" wird auf S. 144 ein Hussit Fabian v. Grabie um 1480 erwähnt.

Soweit ich das verstehe, hatte er mit einigen anderen wohl Ärger mit dem Inquisitor - heiße Zeiten... Ebenda, S. 148 wird in Zusammenhang mit einem oft erwähnten Fabian zebrak z Povasi (= v. Grabie?) zum 11. Mai (?) 1480 eine Frau Grabska (v. Grabie), Mutter eines Jasko (Koseform von Jan), genannt. Im folgenden Absatz geht es um Beziehungen zwischen Thorn und einem Matys von Blonie und Leczyce, also Masowien. Ein mit vielen Personennamen gespicktes und für für Genealogen hochinteressantes Büchlein... In einer Aufzählung der sich wohl im betrachteten Raum angesiedelten Personen wird Fabian z Grabie bei den venkovsky lid erwähnt. Möglicherweise lebten im Zuge der Hussiten-Kriege vier bis fünf Generationen nach Ottokar II. alte verwandtschaftliche Beziehungen in die Sie interessierende Region wieder auf.

Von Ihrer These abweichend würde ich von einer Wanderung aus Böhmen ins Kulmer/Dobriner Land ausgehen - die Alternative wäre die Umsiedlung direkt nach Grabie im Lande Zakroczym. Von dort (Kulmer/Dobriner Land) dürfte die Verbreitung nach Masowien, Land Ciechanow, und weiter nach Nordosten nach Szczuczyn; Länder Lomza und Wizna - letzteres Ende des 14. Jahrhunderts auch kurz in Ordens-Besitz - erfolgt sein. Einer Ihrer Szczuka-Vorfahren dürfte im 16. Jahrhundert von dort über die Grenze nach Preußen gelangt sein. Es war eine offene Grenze und man hatte gelegentlich beiderseits der Grenze Grundbesitz (vgl. Beispiele bei Hoffmann-Bagienski in der So. 67). Es wäre zu prüfen, wann der erste Szczuka im Johannisburgischen erscheint und ob vielleicht zeitgleich oder kurz vorher ein namensgleicher jenseits der Grenze in Masowien/Podlachien "verschwindet". Gab es vielleicht Erbnahmen innerhalb der Familie?

Sie lassen die Szczuka-Geschichte in Preußen erst 1656 in Bogumillen beginnen. Ich hatte bereits in der APG 2004 darauf hingewiesen, dass der Name auch schon vorher in patronymisierter Form (z. B. Stzutzyk) in Bogumillen erscheint, so in den Erbhuldigungslisten von 1642. Hier könnte ohne Aufwand noch ergänzt werden.

Die Anfang des 18. Jahrhunderts in Oberschlesien erscheinenden katholischen Szczuka würde ich eher aus Böhmen als aus Preußen oder Polen kommend vermuten.

In dem Deutschordens-Briefarchiv, ich hatte Einblick in die von Erich Joachim herausgegebenen Regesten, erscheint der Familienname Hecht öfters, u. a. ein Hauskomtur Paul Hecht. Szczuka und Hecht würde ich erst mal gleichrangig betrachten. Im DOBA ist auch ein - allerdings zumindest zeitweise getrübtes - Verhältnis der masowischen Szczuka mit dem Deutschen Orden dokumentiert. 1503 (?) machen die Gebrüder und Vettern (Andreas, Adam, Jakob) v. Szuki (Anm. Brozio: Plural von Szuka) eine Eingabe an den König von Polen betr. Ihre Rechte auf das Ihnen vom Hochmeister vorenthaltene Gut Grabniki (vgl. Grabie!) in der Masau (ebenda: Regeste I Nr.18.868 - Schieblade XXI 188). Dieses Schreiben sollten Sie sich in Berlin kopieren lassen und auswerten.

Der Vollständigkeit halber - und um es Ihnen nicht allzu einfach zu machen :-) - möchte ich darauf hinweisen, dass Kasprzycki in der Polska Encyklopedja Szlachecka im Lande Lomza in Szczuczyn und im Plocker Raum auch Szc(z)ucki des Wappens Slepowron für den Zeitraum ab ca. 1460 erwähnt.

Für Ihren angepeilten Polnisch-Kurs wünsche ich Ihnen viel Erfolg. Sie dürften dadurch in Ihrer Familienforschung um Lichtjahre nach vorne geworfen werden.

Sie bräuchten Verbindung zu einen polnisch- und englisch- oder deutsch-sprachigen Szczuka-Forscher in Polen. Es wäre einen Versuch wert, über die englisch-sprachige HERBARZ-L@rootsweb.com, www.rootsweb.com, an einen diesbezüglichen Kontakt zu kommen. Dort sind auch "Profis" aus Polen vertreten - ebenfalls der von Ihnen mir benannte deutsche Herr Liwowski.

Viele Grüße und besten Erfolg bei Ihren Forschungen wünscht Ihnen

Wolfgang Brozio
 

Anmerkung des Herausgebers:
Wolfgang Brozio ist Mitglied im VFFOW
(Verein für Familienforschung in Ost- und Westpreußen);
Klaus Liwowsky forscht im Gebiet Oberschlesien.

 
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Stand: 21. Januar 2017