Home Nach oben Inhalt / Suche Copyright Impressum
Bialla als Garnison
 

 
Das Buch:

Das Buch: Johannisburg in Ostpreußen. - Für weitere Infos hier klicken!

Johannisburg in Ostpreußen

 
Videos aus Masuren und dem Kreis Johannisburg. - Für weitere Infos hier klicken!
Masuren-Videos

Festschrift zur Feier des 500jährigen Bestehens
von Bialla Ostpr.  1428 - 1928

Bialla als Garnisonsstadt

Beitrag zur Chronik der Stadt Bialla von Dr. med. G. Hintz.

In der Zeit der Ordensritter schützten die Besatzungen der Burgen und festen Plätze die Grenze gegen die Einfälle der Nachbarvölker. So wurde Bialla gegen die Polen und Littauer geschützt von den Besatzungen der festen Häuser in Lyck und Johannisburg. Die Einwohner von Bialla und Umgegend unterstützten bei kriegerischen Unternehmungen die Ritter und ihre bewaffneten Begleitscharen. Für die Ausrüstung der schaffenden Bevölkerung hatten die Amtshauptleute zu sorgen. Diese Truppen, organisiert in der Landmiliz, gemeinhin im 17. Jahrhundert Wilbranzen genannt, wurden befehligt von kriegserfahrenen Männern, den Landesobersten.

Nach den Quellen der alten Chroniken und Garnisonslisten wurden Dragoner zum ersten Male 1644 erwähnt, die zu Kompagnien in Lötzen, Lyck, Oletzko und Johannisburg, hier unter einem Leutnant Alexander von Borowsky, standen. Es ist nach damaligen Gebräuchen anzunehmen, daß Teile der Johannisburger Garnison auch in den Nachbarorten, damit auch in Bialla lagen (Grenzschutz). Unter diesem Gesichtspunkte ist wohl auch anzunehmen, daß 1655 von der Johannisburger Dragonerkompagnie des Herrn Kapitän Hektor von Losch ein Teil in Bialla lag.

1609 wurde die Nationalmiliz in Preußen d. h. im jetzigen Ostpreußen in 3 Musketier- und 3 Dragonerregimenter eingeteilt, davon lagen Teile der 1. und 2. Kompagnie des 3. Musketier-Regiments bestimmt in Johannisburg, Teile davon sehr wahrscheinlich in Bialla. Sie wurden abgelöst durch die Freikompagnie zu Fuß (1656 bis 1660 mit Unterbrechung) und die Leibkompagnie zu Fuß des Stadthalters des Herzogtums Preußen, des Generalleutnants Fürsten Boguslaw Radziwill, sowie Teile des Regiments zu Pferde des Generalfeldmarschalls Freiherrn von Derfflinger, das in der blutigen Schlacht von Splitter mitgefochten hatte, und nach der Schlacht zusammen mit Teilen des Regiments zu Fuß Kurprinz in Johannisburg einzog und dort Quartier nahm. 1688 lagen in kleineren Abteilungen in allen Grenzstädten und damit wohl auch in Bialla Reiter des Regiments zu Pferde Markgraf Phillip Wilhelm.

Bestimmte Angaben über eine Garnison in Bialla haben wir dann erst aus dem Jahre 1780. Nach sicheren Quellen lag das Husarenregiment Nr. 8 der Stammliste (von Usedom?) in Soldau, Ortelsburg, Johannisburg, Rhein, Passenheim und Bialla. In der Quellenangabe besteht ein Widerspruch. Das Regiment von Usedom hatte dunkelblauen Dolmann, schwefelgelbe Kragen und Aufschläge, weiße Schnüre, dunkelblauen Pelz und karmosinblau durchwirkte Schärpen.

Das 8. oder früher Belling'sche Husarenregiment hatte bis 1764 ganz schwarze Montur mit grünen Kragen und Aufschlägen, Schnüren und Schabrakkenbesatz, gelbe Knöpfe, grün-gelb durchwirkte Schärpen, schwarz lederne Säbeltasche. Die hohe Flügelmütze zeigte in Stickerei ein liegendes Skelett mit Sanduhr und Umschrift: »Vincere auf mori« (Siegen oder sterben!) Wegen des Skeletts war das Regiment im Gegensatz zu den Totenköpfen des 5. Regiments (Rüsch) unter dem Namen „Der ganze Tod" bekannt. Da in den Armenlisten der Stadt Bialla in der in Frage kommenden Zeit ein schwarzer Husar erwähnt wird, ist anzunehmen, daß es sich um das 8. früher Belling'sche Husarenregiment und nicht um das 10. von Usedom gehandelt hat. Seit 1764 trug das gleiche Regiment dunkelrote, weißverschnürte Uniform, dazu schwarze Flügelmütze, die Ueberhosen (Chariwaden oder Scharawaden) trugen die Farbe der Pelze. Die Bewaffnung bestand in Säbel und Karabiner, jeder Reiter trug außerdem 2 Pistolen in Satteltaschen.

1793 war das Bosniaken-Regiment (9. Husaren-Regiment der Stammliste) mit 8 Eskadronen auf Lyck, wo der Stab lag, Rhein, Johannisburg, Oletzko, Nikolaiken, Bialla und Sensburg verteilt. Die Bosniaken waren die Vorgänger unserer Ulanen. Sie trugen im Sommer ponceau-roten Dolman mit weißen Schnüren, im Winter lange, schwarze, später blaue Röcke (Cotankas), rote Hosen, hohe Mützen, verbrämt mit schwarzem Schaffell ohne Beutel, im Winter lange schwarze Ueberröcke mit weißem Besatz. Als Waffe diente ihnen außer Säbel und Pistolen eine lange Lanze mit eiserner Spitze und einer Flagge. Diese Flagge war in der ersten Zeit weiß-grün, dann in den einzelnen Eskadrons von verschiedener Farbe.

Der Exerzierplatz all dieser Truppenteile war der jetzige Stadtpark; die Unterbringung erfolgte in Bürgerquartieren.

Ob 1806 Teile des Füsilierbataillons von Schachtmeyer, das in Johannisburg lag, auch in Bialla gestanden haben, konnte nicht sicher festgestellt werden. Nach 1806/1807 hat Militär in Bialla als feste Garnison nicht mehr gelegen.

_____________________________________________________________

Quelle:
Text auch abgedruckt im Chronik Sammelband Arys - Bialla - Drygallen - Groß Rosinsko,
Selbstverlag der Kreisgemeinschaft Johannisburg / Ostpr. 1982, Seite 111-192,
Das Buch ist leider nicht mehr lieferbar.

 

Familienforschung
S c z u k a

Ehren-Ausschuß Zum Geleit Stadtgeschichte Kirchenchronik Bialla als Garnison Kommunalpolitik Grenzschutz 1914

www. S c z u k a . net

Copyright © 1999-2017  W e r n e r   S c h u k a

Stand: 23. September 2017