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Kriegsende 1945
 

Flucht der Fam. Kolossa

 
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Johannisburg in Ostpreußen

 
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Das Schicksal des Kreises Johannisburg bei Kriegsende 1945

Dargestellt nach Dokumentationsberichten
im Bundesarchiv Koblenz

Im Hinblick auf den nahen Frontverlauf am Narew seit dem Spätsommer 1944 wurde ein Teil der Grenzbevölkerung - hauptsächlich Kriegerfrauen mit kleinen Kindern - vorsorglich evakuiert. Der Kreis Johannisburg zählte am 1.9.1939 (Volkszählungstag) 168 Gemeinden und 3 Städte mit zusammen 53.500 Personen. Aus den volkssturmpflichtigen Männern wurden mehrere Volkssturm-Bataillone in Johannisburg, Gehlenburg und Kurwien aufgestellt. Sie wurden im Januar 1945 im Kreisgebiet kaum eingesetzt, dagegen teilweise in den Kreisen Sensburg, Rastenburg und Heilsberg.

Infolge des sowjetischen Vorstoßes gegen die Haffküste des Frischen Haffs durch die Kreise Neidenburg - Osterode - Mohrungen - Pr. Holland (vom 18. bis 24. Januar 1945) wurden die masurischen Kreise, darunter der Kreis Johannisburg, vom Westen abgeschnitten. Um der drohenden Umklammerung von Norden (Angriff aus dem Raum Gumbinnen) und Westen zu entgehen, wurde der Kreis fast kampflos aufgegeben. Schwache sowjetische Truppen besetzten seit dem 22. Januar von Süden, Osten (aus dem Kreise Lyck) und Westen (aus dem Kreise Ortelsburg) heraus die westlichen Dörfer - das weitgehend von der Bevölkerung geräumte Kreisgebiet. Am 25. Januar war der Kreis Johannisburg fast vollständig besetzt, wobei häufig vor den einrückenden Truppen schon polnische Zivilisten von jenseits der Grenze die leerstehenden Ortschaften plünderten. Die Stadt Johannisburg wurde am 19. Januar 1945 von sowjetischen Flugzeugen bombardiert. Dadurch und durch spätere Brände wurden über Dreiviertel der Stadt zerstört. In den Dörfern entstanden durch Kampfhandlungen kaum Zerstörungen, in den folgenden Wochen aber durch Plünderungen und Brände.

Räumung und Flucht

im November und Dezember 1944 wurden aus den größeren Ortschaften des Kreises - vor allem den in der Nähe der Grenze gelegenen - Frauen mit Kindern unter 14 Jahren freiwillig mit Eisenbahntransporten vor allem nach Pommern evakuiert.

Der Räumungsbefehl für den Kreis Johannisburg wurde am 19. Januar 1945 vom Reichsverteidigungskommissar erlassen, am selben und am folgenden Tage an die Gemeinden weitergegeben. Im allgemeinen standen also kaum 24 Stunden zur Vorbereitung der Flucht zur Verfügung. Vom 20. bis 23. Januar 1945 gingen von den größeren Bahnstationen (u. a. Johannisburg, Gehlenburg, Niedersee) Eisenbahnzüge mit Personen ohne eigene Fahrgelegenheit ab, die aber zum größten Teil nach mehreren Tagen Irrfahrt noch in Ostpreußen ausgeladen wurden. Für die ländlichen Trecks war der 21. Januar 1945 als Abmarschtag (viel zu spät) festgesetzt, und die vorgesehene Marschstrecke führte über Ortelsburg-Allenstein. Die Viehherden, die unter der Aufsicht einzelner zurückgeliebener Männer zusammengetrieben wurden, sollten einen Tag später als die Trecks den Heimatort verlassen. Alle haben ihr Ziel nie erreicht. Der Aufbruch der Trecks vollzog sich im allgemeinen geordnet, leider nicht rechtzeitig genug. Am Abend des 22. Januar 1945 hatten etwa neun Zehntel der Bevölkerung den Kreis verlassen.

Da die vorgesehene Marschrichtung durch den sowjetischen Vorstoß auf Allenstein schon am 21. Januar hinfällig wurde, erfolgte die Lenkung der Masse der Trecks in zwei Hauptrichtungen. 1. Niedersee - Sensburg, 2. Arys - Nikolaiken -Sensburg. Bereits im Kreisgebiet kam es zu Stockungen, und der ursprünglich geordnete Abmarsch verwandelte sich in eine regellos werdende Flucht. Die meisten Trecks wurden in den letzten Januartagen im Raum Sensburg - Rößel - Rastenburg von sowjetischen Truppen erreicht, zersprengt und teilweise vernichtet. Schätzungsweise wurde ein Zehntel der Flüchtlinge noch im Kreisgebiet (besonders bei Arys und Weißuhnen), die Hälfte in Ostpreußen über rollt. Von den ländlichen, früh aufgebrochenen Trecks wurde der Rest in Pommern abgefangen, nur etwa 5 Prozent gelang die Flucht über die Oder nach Westen. Die Zahl der mit der Eisenbahn oder mit Wehrmachtsautos Geflüchteten und nach Westen Gelangten dürfte erheblich höher sein. Trecks aus den Kreisen Treuburg und Lyck wurden teilweise schon im nordöstlichen Kreisgebiet Johannisburgs von sowjetischen Truppen eingeholt, die die Männer zum großen Teil erschlagen, zum anderen Teil nach Sibirien verschleppt haben. In den meisten Gemeinden blieben nur wenige alte Leute zurück, in einigen waren derer auch mehrere. Der Treck von Weißuhnen und Umgebung kehrte wenige Kilometer nach dem Ort wieder um, und die meisten Bewohner wurden daheim von sowjetischen Truppen angetroffen, ebenfalls teils verschleppt, teils erschlagen.

Rückbewegungen

Von den bereits im Raume Sensburg - Rößel überrollten Trecks kehrte in den letzten Januar- und ersten Februartagen ein großer Teil der Flüchtlinge wieder in ihre Heimatgemeinden zurück. Auch aus den anderen ostpreußischen Kreisen und aus Pommern wanderten viele, darunter auch im Spätherbst 1944 Evakuierte, bis zum Herbst 1945 in den Heimatkreis zurück, jedoch nicht immer in die Heimatgemeinde. Die Grenzorte waren für die Deutschen überhaupt gesperrt. Die Anzahl der Rückkehrer betrug in den einzelnen Gemeinden von einem Zehntel bis etwa einem Drittel der Gesamteinwohner.

Die sowjetrussisch-polnische Verwaltung

In den größeren Ortschaften des Kreises wurden sowjetische Kommandanturen eingerichtet, in den Dörfern provisorische deutsche Bürgermeister eingesetzt. Russische Erntekommandos, die Deutsche zur Arbeit heranzogen, gab es bis September 1945. Am 5. Februar 1945 erfolgten zwei Aufrufe der Besatzungsmacht, die die Meldung aller 15- bis 50-jährigen Männer zum rückwärtigen Brücken- und Straßenbau sowie die Registrierung aller Parteiangehörigen und Mitglieder der angeschlossenen Organisationen befahlen. Teilweise noch vor der Besetzung durch sowjetische Kampfeinheiten (unmittelbar nach Räumung der Orte) oder gleich nach der Besetzung drangen die Polen, zivile Banden, in die deutschen Gemeinden ein, plünderten die Vorräte, rissen die Häuser ab, schleppten Holz und anderes Baumaterial über die Grenze fort, massive Gebäude wurden mutwillig abgebrannt. Zuerst besetzten die polnischen Siedler die freistehenden Höfe, später wurden die Deutschen zwangsweise auf einen Hof zusammengetrieben und mußten für die Polen arbeiten. Viele Ortschaften, die infolge der Plünderung und Brände weitgehend zerstört waren, blieben leer. Auf das Dorf Mittenheide (Turoscheln) hatte z. B. eine polnische Bande einen regelrechten Überfall ausgeführt.

Ausweisungen

Die Ausweisung der deutschen Bevölkerung begann Ende Oktober 1945 und wurde zunächst bis Januar 1946 fortgeführt, bis zum Jahre 1949 erfolgten weitere Ausweisungen.

Schon im Herbst 1945 erfolgten Aufrufe zur Option für Polen, die später mit Zwangsmaßnahmen begleitet wurden und sich bis zu Grausamkeiten steigerten. Heute dürften sich höchstens bis zu 5 Prozent der ursprünglichen Einwohner im Kreisgebiet befinden. Da man sich vor der Weltöffentlichkeit scheut, auf die Zurückgebliebenen direkt mit Gewaltmaßnahmen einzuwirken, werden Schikanen amtlich angeordnet. (Unerschwingliche Zölle für alte Kleider usw. an die zurückgebliebenen, alten Leute.)

Verbrechen

In den Gemeinden, in denen Bewohner zurückgeblieben waren, erfolgten vielfach Einzelerschießungen. Die größten Verbrechen wurden jedoch bei Überrollung der Trecks verübt. Bei Schlagakrug wurden aus zurückkehrenden Flüchtlingstrecks Kinder entrissen und 32 in einer Massenexekution erschossen. Zwischen Nickelsberg und Herzogsdorf wurden aus einem Treck aus dem Kreise Lyck 97 Personen (darunter französische Kriegsgefangene) und einige Einheimische ermordet aufgefunden. Die russisch-bolschewistische Soldateska schreckte auch vor der Schändung von Schulmädchen sowie greisen und kranken Großmüttern nicht zurück! In einer Scheune bei Groß Rosen wurden 28 Personen (Frauen und Kinder) lebend verbrannt, Bei Stollendorf wurden 32 Menschen ermordet, darunter 26 aus fremden Trecks, in Turau 18, in Weißuhnen 13. Polen verübten zahlreiche Raubüberfälle und mehrere Raubmorde an den zurückgebliebenen Deutschen.

Seit Mitte Februar 1945 fanden aus zahlreichen Gemeinden Einzel- oder Massenverschleppungen statt, bis zu 14, 18, 21 und 40 Menschen aus einer Gemeinde. Für die Verschleppungen wurden Auffang- und Durchgangslager in Johannisburg, Arys und Drigelsdorf eingerichtet, die etwa bis Sommer 1945 bestanden. In Johannisburg gab es außerdem ein Straflager. Die Verschleppten kamen meistens durch das Lager Insterburg nach dem Ural und nach Sibirien, soweit sie nicht schon in Insterburg verhungert oder an epidemischen Krankheiten gestorben waren.

Der Kreis Johannisburg hat durch Kriegsgeschehen und Vertreibung laut Dokumentation 17,2 v. H. der Kreisbevölkerung (= 9.160 Personen !) verloren.
 

Quelle:
E. J. Guttzeit, Der Kreis Johannisburg,
Holzner Verlag Würzburg, 1964, Seite 350-353

 
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Stand: 22. Juni 2018